die unglaubliche geschichte des herrn topowski

Vogelsprache

30_revolution_kl

Manchmal kreidet man mir meine abwesende Haltung an. Ich könnte darauf antworten, daß ich woanders bin. Wo würde ich denn gebraucht? Die Menschen, die uns lieben, piesacken uns hartnäckig, bis sie endlich Antwort erhalten. Aber hören sie dieser Antwort auch wirklich zu, oder vielmehr nur dem Rauschen, das sie in ihren Ohren macht. Sie brauchen den Klang der Antwort, damit sie uns weiter am Leben wissen. Mein Vater arbeitete tagsüber unter Tage, abends sprach er mit seinen Vögeln. Er sprach zu ihnen mit seinen Fingern, indem er ihre Federn beiseite strich. Er sprach mit seinen Augen zu ihnen, während er ihren Kropf glättete. Er sprach zu ihnen mit dem Schweigen eines Bergwerk-Kumpels. Eines Tages strich dieser Mann, mein Vater, ganz sanft ihren Nackenflaum beiseite, um mir ihre Ohrlöcher zu zeigen. Er sagte nichts dazu. Aber seine Augen schienen zu murmeln: „Siehst du, sie hören. Und deswegen bin ich still.“ Mit meinen gerade mal acht Jahren hätte ich ihm antworten können: „Das ist aber schade, du hättest ihnen so viel zu erzählen.“ Er hätte mit den Schultern gezuckt und dann den Kopf geschüttelt und ich weiß genau, was er gedacht hätte: „Wenn ich mit ihnen rede, werden sie nicht mehr so schnell fliegen.“

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