die unglaubliche geschichte des herrn topowski

Herr Topowski zeigt seine Urlaubsfotos: Weltuntergang

Ah, daß auf diesem Bild alles so verwischt ist, ist nicht verwunderlich. Ich erinnere mich genau. Seit Tagen herrschte nämlich Weltuntergang. Das Meer klatschte Wellengarben gegen die Deichmauer, der Wind war unanständig und kam aus allen Richtungen. Genauso der Regen, von unten, von oben, von hinten, von vorn. Dazu zwitscherten die Stromleitungen wie Kanarienvögel. Doch, doch, mit Kanarienvögeln kenne ich mich aus. Durch die Straßen wallte grauer Schaum, die Briefkästen klapperten. Einmal krachte ein Windschub, der noch einen ganzen Schwall Wasser mit sich trug, nur wenige Meter von mir entfernt gegen eine Hauswand. Das Haus hat gewackelt. Kein Mensch weit und breit, natürlich, bei so einem Sauwetter. Dafür kamen die Heringe aus dem Meer. Zu Dutzenden, zu Hunderten. Seit meinem Sommer in der Heringfabrik, das ist ewig her, habe ich nicht mehr so viele Heringe auf einem Haufen gesehen. Sie sind die Rinnsteine entlang geschwommen und richtig übermütig in die Topfpflanzen der betonierten Vorgärten gesprungen. Manche haben sich sogar auf die Fenstersimse geschwungen, um den Menschen beim Fernsehen zuzuschauen. Wenn Sie mit ihren Schwänzen gegen die Fensterscheiben klopfen, heißt es, dauert der Regen noch mindestens eine Woche. Überall in der Stadt konnte man die Heringe klopfen hören.

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