die unglaubliche geschichte des herrn topowski

Halde: Zeugenaussagen

Ein Blinder

Er nahm mich öfter mal beim Arm. Ich habe ihn nie darum gebeten, es ist einfach zur Gewohnheit geworden. Ich mache meinen morgendlichen Rundgang, Kippen holen, Zeitung, Kaffee im Wettbüro bei Christian in der Rue Kleber, kennen Sie? Das brauche ich für meinen Rhythmus und dann komm ich wieder zurück. Auf dem Rückweg hat er» » »

Blanche

Kann sein, daß er in mich verliebt war. Gezeigt hat ers mir jedenfalls nicht. Nicht direkt jedenfalls. Natürlich gab es Anzeichen. Frauen spüren das. Aber ich habe mich nie für ihn interessiert. Für mich war das jemand, durch den ich meist einfach hindurchgesehen habe. Ich habe mal gehört, im Stadion gäbe es so einen Spruch» » »

Der Mann vom Catering-Imbiß

Doch, doch, ich schwörs Ihnen… Er kam jeden Mittag vorbei… Und wenn ich Ihnen sage jeden Mittag, dann heißt das nicht eine Minute später oder zwei Minuten vorher. Schlag Mittag, sowas hab ich noch nie erlebt. Das war mein mittäglicher Kuckucksruf. Im übrigen hatte er Appetit wie ein Vögelchen. Niemals Fleisch. Ich habe ihm vegetarische» » »

Eine Klassenkameradin

Er war ein blasser Junge, durchschnittlich in fast allem, wenn ich mich recht erinnere, aber sehr still. Er saß hinter mir und ich habe ihn nie gehört, das war ungewöhnlich. Die Lehrer nahmen ihn selten dran, es gibt diese Typen, die kommen nie dran, vielleicht, weil man von ihnen nichts erwartet. Aber stille Wasser sind» » »

Eine Concierge

Heh, heh, das reicht jetzt, ja? Meinen Sie vielleicht, ich hätte sonst nichts zu tun? Und wer bringt mir die Mülleimer rein? Na? Na? Und außerdem: ich mag es nicht, über andre herzuziehen, das bringt immer bloß Scherereien. Was ist denn jetzt mit diesem Topowski? Heh? Hat er jemand umgebracht? Ist er ein Gewalttäter? Was,» » »

Ein Brieftaubenfreund

Topowski? So einen gab es mal bei uns. Das ist allerdings schon Jahre her. Ja, der war einer von uns. Polnischer Vater, deutsche Mutter, stimmts? Mit den Tauben war er nicht sonderlich erfolgreich. Er kam zu uns, weil er die Tauben mochte, der sportliche Aspekt war ihm ziemlich egal. Es gibt bei uns immer wieder» » »

Der Friedhofswächter

Jede Woche… ja, ja… immer freitags, ich erinnere mich, freitags gibt es Fisch… Zuerst ging er immer zu seinem Vater. Fünf Minuten. Zu seiner Mutter dann, bevor er wieder fortging. Da nahm er sich Zeit. Wissen Sie, die Leute reden viel am Grab ihrer Eltern. Nicht nur mit Blumen. Er, er sagte gar nichts. Nicht» » »

Die Nachbarin

Natürlich weiß ich, wer Herr Topowski ist. Die Leute in der Straße kennt man. Das heißt, ich weiß wie Herr Topowski aussieht und daß er Topowski heißt, ein Pole, nicht wahr? Verschwunden, sagen Sie? Aber wo denken sie hin! Bestimmt ist er nur ein wenig spazieren. Man nimmt ihn nicht so wahr wie die anderen,» » »

Die Bäckereiverkäuferin

Ja, ich habe Herrn Topowski oft etwas verkauft. Baguette. Ein freundlicher Mensch, aber irgendwie… Sehen Sie, schon seltsam, daß Sie überhaupt nach ihm fragen. Er ist nämlich genau der Typ, nach dem nie jemand fragt. Wenn er aus dem Laden wieder hinaus war, war es, als wäre er nie zuvor drinnen gewesen. Ich könnte Ihnen» » »